Chapeau – der lange Weg des Zylinders

Im Zylinder steckt Geschichte! Und zwar alles, was eine gute braucht: Ein bisschen Skandal, Männerstolz, Aufstieg und Fall gespickt mit Eleganz.

Die Griechen und die Römer kannten den Zylinder noch nicht. Obwohl es in ihrer Zeit Kopfbedeckungen gegeben hat. Der Zylinder kam erst später auf. So trugen reiche Bürgerinnen oder adelige Frauen ab dem 14. Jahrhundert, den sogenannten Hennin, eine zuckerhutförmige Kopfbedeckung von bis zu einem Meter Höhe mit Schleiern. Bis ins 16. Jahrhundert hinein dominierten solche kegelförmigen Hüte mit zusätzlicher breiter Krempe auch die Männerhutmode. Der spätere Zylinder sollte in diesen Hutformen seinen Ursprung haben.

Erst im Jänner 1797 wurde erstmals öffentlich ein Seiden-Zylinder getragen: Angeblich wurde der englische Hutmacher John Hetherington für diesen Auftritt sofort wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses bestraft. Richtig populär wurde der Zylinderhut erst in den 1820ern, als er zum Hut des Bürgers avancierte, sogar zum Symbol des Bürgertums schlechthin: So weigerte sich der Künstler Adolph Menzel bei der Verleihung des preußischen Adlerordens – umgeben vom uniformierten Hochadel – aus Bürgerstolz, seinen Zylinder abzunehmen.
Nicht lange später wurde der Zylinderhut Bestandteil bestimmter Berufstrachten, zum Beispiel der Schornsteinfeger und Kutscher.

Im Wandel der Zeit

Die ersten Zylinder wurden noch aus hellgrauem oder hellbeigem Filz hergestellt, seltener aus schwarzem, und mit einem schmalen Band versehen. Nach 1830 kam dann der Chapeau Claque auf. Gefertigt aus schwarzer glänzender Seide galt diese Kopfbedeckung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem als eleganter Abendhut. Der graue Zylinder wurde zum Tageshut für festliche Anlässe.

Heute wird der Zylinder nur noch zu besonders festlichen Anlässen getragen, und auch dann nur zu einem förmlichen Cutaway oder Frack.

Hut ab!