Ein Gentleman auf hoher See

Es gibt keine bessere Zeit für eine kleine Kreuzfahrt als jetzt: Draußen ist es kalt und nass und das Frühjahr lässt noch auf sich warten. In den Weltmeeren warten nicht nur warme Temperaturen und Sonnenschein, sondern auch technische Giganten der Superlative.

Aber Vorsicht! Kein fester Boden unter den Füßen bedeutet keinen Freifahrtschein für schlechte Outfits und unangemessene Manieren. Im Gegenteil, denn auf Kreuzfahrten ist nicht nur der Dresscode genau geregelt. Damit Sie in Benimmfragen immer den Kurs halten, haben wir Ihnen einen Kreuzfahrt-Knigge zusammengestellt.

Koffer packen

Packen Sie Ihren Koffer so, dass Sie außerdem ein kleines Handgepäckstück mit den wichtigsten Utensilien bei sich haben. Bei der Einschiffung wird Ihr Gepäck automatisch vom Schiffsterminal in Ihre Kabine gebracht. Das kann aber dauern. Noch wichtiger: Am Abend vor dem letzten Kreuzfahrttag muss das Gepäck vor die Kabinentür gestellt werden. Das heißt, den letzten Abend und die letzte Nacht verbringen Sie mit jenen Utensilien, die in Ihren kleinen Trolley passen. Ihr Koffer erwartet Sie im Schiffsterminal nachdem Sie ausgeschifft haben.

Vor dem Boarding

Hygiene ist am Schiff eines der wichtigsten Themen. Meist stehen vor den Restaurants, aber auch bei der Einschiffung nette Mitarbeiter der Reedereien mit einem Fläschchen Desinfektionsmittel.

Keine Zeit zu verlieren

Am 1. Kreuzfahrttag steht fest wann das Schiff abfährt. Mit den Reiseunterlagen erfahren Sie auch den Zeitpunkt der Einschiffung. Diese Zeiten müssen Sie unbedingt einhalten. Wenn Sie an Land gehen, befindet sich beim Ausgang eine Beschilderung mit der Uhrzeit zu der Sie längstens wieder an Bord sein müssen. Das Schiff wartet nicht!

Dinnerjacket oder Jeans

Ein Dinnerjacket dabei zu haben ist niemals falsch, allerdings sollte dieses auch nicht jeden Abend auf dem Kreuzfahrtschiff getragen werden. Lediglich zum sogenannten Captain’s Dinner zu Beginn und zum Abschiedsessen am Ende der Reise. Für alle anderen Abendessen ist auf vielen Schiffen der Dresscode ganz genau vorgegeben. In der Regel gilt: Bei „Elegant Casual“ ziehen die Männer Freizeithose, Pullover, Hemd und Jackett an, die Frauen Rock oder Hose mit Bluse. „Semi-formal“ bedeutet Jackett und Krawatte für die Herren, Cocktailkleid oder Kostüm für die Damen. Bei „Formal“ kommen die Gäste in Smoking bzw. Abendkleid. Falls Sie keinen Smoking besitzen, können Sie trotzdem mitfahren und sich an Bord gegen Gebühr einen leihen.

Manchmal gibt es darüber hinaus Themenabende wie den Schwarz-Weiß-Ball, bei dem Sie nur Kleidung in diesen beiden Farben tragen dürfen. Ansonsten gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Niemand wird Ihnen den Zutritt zum Restaurant verwehren, wenn Sie in Jeans und Freizeithemd Ihr 6- bis 7-Gang-Menü verzehren. Ob Sie sich damit wohl fühlen, ist eine andere Frage.

Höflich gegrüßt

Halten Sie es an Bord mit der Vorstellung wie bei allen anderen Urlaubsreisen auch: Erst bei häufigeren Kontakten und dem Wunsch nach näherer Bekanntschaft nennen Sie Ihren Namen. Ein freundlicher Gruß auf den Gängen ist hier genauso höflich wie in jedem Ferienhotel auch. Das Händeschütteln sollten Sie aber lassen, vor allem der Kapitän und teilweise auch die Crew werden es Ihnen aus hygienischen Gründen verwehren.

Saurer Beigeschmack

Sie sitzen alle im selben Boot: Der Nörgler, der immer etwas am Essen an Bord auszusetzen hat. Der selbsternannte Kreuzfahrtexperte, der Ihnen detailliert erzählt, was am Service auf seiner letzten Kreuzfahrt besser war. Und der Möchtegernpolitiker, der beim Abendessen mit Ihnen über die Weltlage diskutiert, obwohl Sie doch nur abschalten wollen. Wenn die Tischordnung Ihnen einen der genannten Typen zuweist, müssen Sie nicht gleich Ihre guten Manieren über Bord werfen. Ein kurzes, diskretes Gespräch mit dem Restaurantchef genügt und Ihre Mahlzeiten verlaufen an einem anderen Tisch wieder ungestört. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es bei der festen Tischordnung nach wie vor üblich, sich namentlich bekannt zu machen. Schließlich trifft man sich regelmäßig bei jeder Mahlzeit wieder.

 Zurückhaltend an Deck und am Pool

Auch auf hoher See ist es nicht erwünscht sich seine Sonnenliege schon vor dem Frühstück mit einem Handtuch zu reservieren. Verpönt ist es außerdem, sich auf einem Kreuzfahrtschiff oben ohne zu sonnen. Einige besonders engagierte Urlauber geben bei den Hafeneinfahrten alles, um sich die besten Plätze an der Reling zu erkämpfen und setzen dabei schon mal die Ellenbogen ein. Das haben Sie doch nicht nötig – oder?

Lassen Sie Münzen sprechen

Auf vielen Kreuzfahrtschiffen ist das Trinkgeld oft bereits Bestandteil der Rechnung. Die vom Veranstalter vorgeschlagene Höhe variiert und reicht von etwa sechs Euro (Kinder drei Euro) bis zu zwölf Euro auf Luxus-Schiffen pro Tag und Passagier. Mit diesem System sollen die Trinkgelder gerecht unter der Schiffscrew verteilt werden. Natürlich steht es jedem frei, von dieser Regelung abzuweichen. Kellner, Zimmerservice oder Kofferträger freuen sich nicht nur über eine kleine Gabe, sie rechnen sogar damit. Bei Rechnungen sind zehn bis 15 Prozent angemessen. Es ist klug, größere Mengen Trinkgeld so zu geben, dass man selbst davon etwas hat. Bei längeren Aufenthalten gibt man gleich am Anfang des Aufenthaltes ein Drittel, das zweite Drittel ungefähr in der Mitte und vor der Abreise das letzte Drittel.

Muss eine Kreuzfahrt sein?

Neben all den Benimmregeln an Board gibt es auch ganz schön viele Gründe eine Kreuzfahrt gar nicht erst anzutreten. Die Umwelt zum Beispiel. Ein Kreuzfahrtschiff bringt ganz schön viel Schmutz in unsere bereits leidenden Weltmeere. Ohne Meer, kein Leben. Wir sollten nicht an der systematischen Zerstörung arbeiten.
Als Schifftourist ist man eigentlich nicht viel besser als ein Bustourist. Man kommt für einen Tag in eine Stadt, geht dort nicht essen, weil man es an Board tut, übernachtet nicht, weil man ja seine Kabine hat und bereits wieder weiterfährt und kauft höchstens ein paar Souvenirs. Im schlimmsten Fall hinterlässt man einfach nur Müll. Man bringt der Stadt und ihren Bewohnern keine Wertschöpfung. Will ein Gentleman so ein Gast sein? Wohl eher nicht.

Als Alptraum-Beispiel sei hier Venedig erwähnt. Müssen wir noch mehr sagen?

Vielleicht überdenken Sie Ihre Kreuzfahrt-Pläne lieber noch einmal. So elegant wie man es sich nach alten Agatha-Christie-Büchern vorstellt, ist es ohnehin nicht.

 

 

 

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